Es ist jetzt ca. einen Monat her, seit ich das Experiment bookformat.com als Productized Service gestartet habe. Zeit für ein Update. Die größten Neuerungen sind, dass ich ein neues Preismodell implementiert habe und Upsells eingeführt habe. Somit konnte ich die Einnahmen von 30 Euro pro Kunde auf bis zu 420 Euro für einen einzigen Kunden steigern.

Das neue Preismodell

Das Problem mit dem alten Preismodell

Mein erster Fehler war, mein unflexibles Preismodell, da ich zunächst zu sehr von meinem Bedarf ausgegangen bin. Ich habe der Einfachheit halber pauschale Preise genommen und dafür hatte ich festgelegt, das alle Bücher mit mehr als 50.000 Wörtern sich bei mir für ein individuelles Angebot melden mögen. Meine eigenen Bücher bewegten sich alle so um die 30.000 Wörter, von daher dachte ich, das passt schon. Es kamen dann aber diverse Anfragen, für deutlich längere Bücher bis zu 400.000 Wörter. Um diese nicht alle einzeln beantworten zu müssen und um der Komplexität der Formatierungsaufgaben besser gerecht zu werden, habe ich einen neuen Preisrechner programmiert.

Ziel war es ein Preismodell zu finden, welches von der Anzahl der Wörter im Buch abhängt und der Anzahl der Abbildungen/Tabellen.

Lösungsversuch 1: Dynamische Preise und Addons mit Digistore

Preisrechner

Preisrechner

Dazu programmierte ich den in der Abbildung ersichtlichen Preisbrecher. Dieser ist lediglich ein bisschen Javascript-Code und ein fertiges Template von bootsnip.com, welches ich angepasst habe. Das Problem war die Anbindung an Digistore, welches ich bisher zur Bezahlung genutzt habe. Die Idee: 10.000 Wörter Bücher haben einen festen Preis und pro 10.000 Wörter darüber hinaus, berechne ich ein Digistore Addon. Bei Digistore können solche Addons theoretisch zu jedem Produkt angelegt werden.
Ich legte bei Digistore also drei Produkte an, eBook Formatierung, PDF Formatierung und eBook + PDF Formatierung und zu jedem der Produkte jeweils ein Addon für 10.000 zusätzliche Wörter und ein Addon pro 5 Abbildungen/Tabellen. Der Benutzer gibt also bequem per Slider an, wie viele Wörter er hat, mein Javascript-Code berechnet den Preis und die Anzahl der Addons und übergibt diese dann automatisch an das Digistore Bestellformular per GET Request in der URL. Soweit die Theorie. Leider hat Digistore hier im Backend mal wieder einige Fehler, welche eine Zuordnung der Addons zu einem Produkt nicht möglich machten. Wenn ich ein Produkt auswähle, dann auf Addon erstellen gehe, kann ich das eigene Produkt nicht in der Produktliste für die Addons auswählen. Wenn diese Fehler behoben sind, werde ich an dieser Stelle auf Digistore zurückwechseln, aber so war mir das zu unsicher. (Die Produktauswahl ist per URL Parameter, wenn du dort die Produkt ID austauscht möglich, aber das ist eher ein Hack und nichts was ich produktiv einsetzen würde).

Lösungsversuch 2: Dynamische Preise mit PayPal abrechnen

Bezahlseite mit Paypal

Bezahlseite mit Paypal

Mein zweiter Ansatz war wesentlich einfacher, nachdem der Nutzer auf bestellen klickt, sieht er einfach meinen PayPal.me Link und meine PayPal Adresse, an die er mir direkt Geld senden kann. Ein automatischer Rechnungsversand ist so noch nicht implementiert, aber PayPal Business erlaubt es, im Webinterface manuell Rechnungen zu erstellen. Man kann langfristig diesen Schritt auch automatisieren, da PayPal auch eine entsprechende API dafür anbietet. Privatkunden müssen auch nicht unbedingt eine Rechnung erhalten, von daher biete ich die Rechnungserstellung auch nur optional für Geschäftskunden an. Da die Anzahl der Bestellungen noch überschaubar ist, belasse ich es zunächst jedoch bei der manuellen Rechnungserstellung auf Wunsch. Die PayPal-Lösung funktioniert ansonsten sehr gut. Nach bestätigtem Zahlungseingang erhalte ich einfach eine E-Mail, die ich automatisiert auslese und mit der Formatierung beginnen kann. Alternativ bietet PayPal hier auch eine IPN-Benachrichtigung analog zu Digistore. Der Kunde sieht dann einfach den Gesamtbetrag, die einzelnen Rechnungsposten und kann mir den Betrag überweisen.

Mehr Einnahmen durch Upsells – vom 30 Euro Kunden zum 420 Euro Kunden

Upsells für die Buchformatierung

Upsells für die Buchformatierung

Die zweite große Veränderung am Preismodell war die Einführung von Upsells. Ein Upsell ist einfach gesagt ein Zusatzangebot, welches dem Kunden einen Mehrwert liefert. Ich habe mittels der Amazon Affiliate API den gesamten Bücherstore indiziert und anhand verschiedener Analysen rekonstruiere ich den Ranking Algorithmus für die Bestseller und andere Marketing relevante Details und kann dementsprechend das Marketing optimieren. Ergänzend dazu habe ich für meine eigenen Bücher eine eigene Webseite aufgesetzt und andere Details wie die Keywords optimiert.
Diese Maßnahmen waren für mich erfolgreich, also entschloss ich mich diese auch für andere Kunden anzubieten. Ein Upsell war Premium-Support für die Buchveröffentlichung. Hier berate ich von den Keywords, der Positionierung bis hin zur optimalen Buchbeschreibung, helfe bei den Uploads und alles, was sonst noch so anfällt. Hier habe ich zunächst einen pauschalen Preis von 90 Euro veranlagt. Der zweite Upsell ist eine Webseite zum Buch. Dies kann nicht nur verkaufsfördernd sein, sondern hilft auch abseits von Amazon, eine Kontaktmöglichkeit zu den Lesern herzustellen, indem man beispielsweise Zusatzinformationen auf der Webseite zum Buch gegen einen E-Mail Eintrag anbietet. Ich habe dadurch ca 2-3 Einträge pro Tag in die entsprechenden Newsletter nur aus Amazon. Mit diesen Upsells gelang es mir vom 30 Euro Kunden, den Customer Lifetime Value auf bis zu 420 Euro in einem Fall zu steigern. Für diesen Kunden erstellte ich das komplette Paket und half bei der Buchvermarktung und der Webseite. Innerhalb von 19 Tagen hatte er die Kosten wieder raus, von daher wieder eine Win-Win-Situation.

Noch offene Probleme/Herausforderungen: Umsatzsteuer, Mehrwertsteuer richtig ausweisen und mini One Stop

Dadurch das ich PayPal nutze, trete ich dem Kunden über auch selber als Verkäufer auf. Dies schafft neue Probleme bei der korrekten Versteuerung. Durch die unnötig komplizierten EU-Steuergesetze ist die ganze Problematik mit dem korrekten Ausweisen der Mehrwertsteuer usw. leider nicht so einfach. Geschweige denn die korrekte Abrechnung, wenn dann mal jemand aus einem anderen EU-Land bestellen sollte. Dann müsste ich nämlich die Umsatzsteuer in diesem Land abführen, hierzu kannst du dir das FAQ ansehen. Wichtig ist zunächst, der Endkunde muss immer Endpreise sehen, du darfst also nicht einfach schreiben zusätzlich gesetzlicher Mehrwertsteuer. Meine derzeitige einfache Lösung ist, dass ich mein Angebot einfach nur an deutsche Kunden richte und ausländischen Kunden ein individuelles Angebot anfordern sollen. Dies ist nicht optimal, gerade auch im Hinblick auf die kommenden SaaS-Geschäftsmodelle, die ich starte. Aber ich hoffe, hier noch eine alternative Lösung zu finden oder ggf. den europäischen Geschäftssitz aufzugeben.

Zwischenfazit: Geschäftsidee validiert – über 1.000 Euro in Heimarbeit online verdient

Mein selbstgesetztes Ziel war es, über 1.000 Euro in Heimarbeit ortsunabhängig mit dem Service zu verdienen. Ab da galt die Idee für mich als validiert. Dieses Zwischenziel ist erreicht und ich habe mit dem Outsourcing begonnen. Neben den Einnahmen, war für mich der viel interessantere Teil, die interessanten Kontakte zu den Autoren. Leute, die ein Buch veröffentlichen, haben meist auch etwas Spannendes zu erzählen und sind in ihrer Denkweise meist inspirierende Menschen. Es hat mich sehr gefreut, diese Bekanntschaften machen zu dürfen. Außerdem habe ich, um mein Angebot abzurunden, eine zusätzliche Partnerschaft mit einer Webseite für die Cover-Gestaltung und mit einer Seite für die Hörbuchproduktion. Gerade Hörbücher sind auch ein sehr spannendes Thema, das ich auch noch angehen werde. Aus diesem Productized Service haben sich dann noch zwei weitere Geschäftsideen entwickelt, die ich demnächst vorstellen werde.