Wer den Blog schon etwas länger verfolgt, weiß das ich vor einiger Zeit erfolgreich mit dem Selfpublishing gestartet bin. Die Bücher verkaufen sich bis heute gut und einige davon schafften es sogar zum Bestseller.

Dieses Jahr habe ich dann etwas neues probiert und meine ersten eigenen Hörbücher herausgebracht. Grundsätzlich hast du dazu zwei Möglichkeiten: Du kannst jemanden damit beauftragen oder aber du sprichst dein Buch selbst ein. Worauf du jeweils achten musst und was alles notwendig ist, um dein eigenes Hörbuch zu veröffentlichen erfährst du im heutigen Artikel.

Ein Hörbuch beauftragen

Jemand anderen mit der Arbeit beauftragen ist natürlich immer der einfachste und besonders in diesem Fall meist auch der beste Weg. Mein erstes Hörbuch habe ich über liberaudio einsprechen lassen. Mit dem Service war ich sehr zufrieden und der Preis war auch in Ordnung. Dafür erhielt ich einen professionellen Sprecher, der die ganze Arbeit gemacht hat.

Ich habe lediglich das Buch als Word-Datei zur Verfügung gestellt und an Marta von Liberaudio verschickt. Nach ca. 3 Wochen erhielt ich dann die fertig bearbeiteten und zur Veröffentlichung fertigen MP3 Dateien die ich bei ACX hochladen konnte.

Die Vorteile dieser Variante sind, dass du eine sehr gute Sprachqualität hast, keinen Ärger/Aufwand und dich gar nicht weiter um das Thema kümmern musst. Alleine deshalb würde ich den meisten schon dazu raten, ihr Hörbuch nicht selbst einzusprechen, sondern dafür jemanden zu suchen.

Alternativen bieten oftmals lokale Tonstudios. Hier hatte ich einige Angebote eingeholt und diese bewegten sich in einem ähnlichen preislichen Rahmen inklusive Sprecher und Mastering.

Ein Hörbuch selbst einsprechen

Wenn es sich um ein sehr persönliches Buch handelt, deine Leser deine Stimme bereits kennen, du eine sehr gute Stimme für sowas hast oder aber einfach Geld sparen möchtest, kannst du dein Hörbuch auch selbst einsprechen. Dazu benötigst du jedoch das richtige Aufnahme-Setup und viel Geduld, insbesondere wenn du bisher keine Sprachaufnahmen gemacht hast.

Für ein 4-stündiges Hörbuch habe ich ca, 2-3 Tage Vollzeit benötigt. Für ungeübte Sprecher ist es aber auch nicht möglich, das ganze Hörbuch am Stück einzusprechen, da man schnell heiser wird.

Du solltest also ca. 1 Woche Zeit einplanen inklusive der Nachbearbeitung.

Tonstudio mieten für Sprachaufnahmen von Hörbüchern

Als Alternative zu dem eigenen Setup zu Hause kann es sich lohnen einfach ein Tonstudio zu mieten. Das hat den Vorteil, das du eine professionelle Akkustik hast und Leute mit dem Fachwissen, dich bei dem Mastering und der Aufnahme zu unterstützen. Besonders wenn du nur ein einziges Buch hast, welches du einsprechen willst, solltest du diesen Weg gehen.

Preislich kostet ein Tonstudio inklusive jemandem der das Ganze für dich aufnimmt und nachbearbeitet ca. ab 300 Euro pro Tag.

Der Ablauf ist so, dass du einfach vor ein Mikrofon gesetzt wirst und dann deinen Text einsprichst. Wenige Tage später erhälst du dann die MP3-Dateien auf einem USB-Stick nach dem Mastering. Mastering meint das abmischen der Audio Spuren, herausschneiden von Fehlern, Normalisierung der Lautstärke, Filterung von Störgeräuschen usw. Also alles um aus einer Aufnahme eine möglichst gute Qualität zu erreichen.

Das beste Mikrofon für Sprach-Aufnahmen von Hörbüchern

Da ich noch recht viele weitere Hörbücher herausgebracht habe und langfristig auch ein Podcast angedacht ist, habe ich mir die entsprechende Ausrüstung selbst gekauft.

Gerade was Auswahl von Technik angeht bin ich ja Perfektionist und wollte deshalb auch unbedingt das perfekte Setup haben. Dafür war ich bereit auch etwas mehr Geld auszugeben.

Die günstige Variante für ca. 60 Euro und maximal Mobilität

Mein erstes Hörbuch habe ich mit einem sehr günstigen bereits vorhandenen Mikrofon, dem Samson Go USB Mic, ganz normal am Laptop eingesprochen habe und dann mit der weiter unten beschriebenen Vorgehensweise digital nachbearbeitet habe. Das hat soweit auch für die Qualitätskontrolle von ACX gereicht. Wichtig ist dabei nur, das du einen Popschutz verwendest. Hier hatte ich ebenfalls das günstigste Modell von Amazon genommen. Alternativ lässt sich sowas auch aus einer Strumpfhose und einem Kleiderbügel selbst bauen.

Insgesamt bin ich mit Mikrofon und Sprachqualität bis dahin auch immer zufrieden gewesen und gerade die kompakte Größe macht es zu einem optimalen Reisebegleiter.

Um die Sprachqualität zu verbessern und den Raumhall zu verringern, habe ich die Aufnahme in einem begehbaren Kleiderschrank gemacht. Wichtig ist nur das du einen möglichst vollen Raum verwendest und es nicht hallt. Probiere hier einfach verschiedene Positionen und Orte aus, bis du einen für dich angenehmen Klang gefunden hast.

Die optimale Variante für gehobene Sprachqualität ca. 400 Euro

Hier habe ich ewig lange recherchiert. Es gibt etliche Varianten und Meinungen zu dem Thema aber diese orientieren sich nicht immer an den Bedürfnissen eines Heimstudios für Sprachaufnahmen. Beispielsweise ist das Rhode NT-1A ein hervorragendes Mikrofon das praktisch überall empfohlen wird und auch eine tolle Aufnahmequalität bietet. Es handelt sich hierbei jedoch um ein Großmembran-Kondensator-Mikrofon. Mit den technischen  Details dazu will ich dich nicht lange aufhalten, aber das Problem mit Kondensator-Mikrofonen im Heimgebrauch ist, dass diese extrem empfindlich sind. Sprich, jedes Auto das auf der Straße vorbeifährt, jeder Nachbarshund der mal bellt und jeder Vogel der im Garten piept, ist auf der Sprachaufnahme zu hören.

Wenn du nach perfekten Mikrofonen für Sprachaufnahmen recherchierst, wirst du viele Empfehlungen zu tollen Mikrofonen von Rhode oder auch Shure finden. Das Problem mit diesem Empfehlungen ist, dass diese sich auf Tonstudios beziehen, also akkustisch speziell behandelte und isolierte Räume. Du kannst jetzt anfangen deinen Raum entsprechend zu isolieren usw. aber das war mir für ein Heimstudio zu viel Aufwand.

Also meine Empfehlung: Nimm ein dynamisches Mikrofon, wenn du keinen speziellen akkustisch behandelten Raum oder ein Tonstudio hast.

Dynamische Mikrofone sind nicht so empfindlich und nehmen praktisch nur das auf, was du direkt hineinsprichst. Die optimale Sprechentfernung beträgt meist nur 5-10cm. So vermeidest du im Vorfeld bereits störende Nebengeräusche und musst weniger nachbearbeiten.

Dann war die zweite große Entscheidung zwischen einem USB-Mikrofon und einem analogen Mikrofon mit XLR Anschluss. Hier habe ich mich auf die Meinung von Experten und verschiedene Hörproben verlassen und muss sagen, dass die analoge Variante mit XLR-Anschluss immer deutlich besser klang. Das USB-Mikrofon ist zwar etwas günstiger, da du keinen Vorverstärker benötigst, aber letztendlich wollte ich ja das perfekte Setup und dem zufolge wurde es das Rhode Procaster.

Ergänzt habe ich das Mikrofon zur Halterung mit dem Rhode Gelenkarm Stativ PSA1. 70 Euro für eine Mikrofon Halterung fand ich zunächst unverschämt teuer, hatte dann aber das Glück im Warehouse Deal etwas weniger zu bezahlen und muss im nachhinein sagen, dass es sich definitiv lohnt. Ich hatte vorher ein günstiges Modell und dieses wackelte ständig. Gerade bei Sprachaufnahmen ist aber die konstante Entfernung und gleiche Sprecher/Mikrofon Position sehr wichtig. Von daher ruhig hier etwas mehr Geld ausgeben. Dazu holte ich dann noch die elastische Mikrofonhalterung von Rhode PSM1, mit der ich auch sehr zufrieden bin.

Um Atemgeräusche und Plopplaute zu reduzierenhabe ich,  mich dann noch für einen Rhode WS2 Windschutz entschieden. In der Handhabung wesentlich bequemer als externe Halterungen, da er perfekt auf das Mikrofon passt und nicht verrutschen kann. Außerdem fand ich die Sprachqualität angenehmer und die Atemgeräusche wurden deutlich reduziert. Das Rhode Procaster hat aber bereits einen eingebauten Popschutz, als theoretisch wäre es nicht notwendig.

Als letztes benötigst du bei Mikrofonen mit XLR-Anschluss meist noch einen Vorverstärker. Dieser ermöglicht dir, mehrere Mikrofone anzuschließen, stellt eine Phantomspeisung bereit für Mikrofone die das benötigen und du kannst dich in Echtzeit ohne Verzögerungen anhören. Außerdem werden Eingangssignale verstärkt und du hast ein wesentlich lauteres und besseres Signal das später kaum noch eine Nachbearbeitung benötigt. Hier habe ich mich ebenfalls auf die Recherche von externen Expertenmeinungen verlassen und mich für den Focusrite Scarlett 2i2 2G entschieden. Da das ganze Thema für mich neu war, habe ich hier keine Vergleichsmöglichkeiten aber es funktioniert unter Windows und Linux mit allen bisher getesteten Programmen einwandfrei ohne weitere Treiberinstallation. Außerdem gibt es noch diverse profesionelle Audio-Programme kostenlos dazu.

Die Gesamtkosten des Setups lagen bei ca. 400 Euro.

Die spannende Frage ist, hat es sich gelohnt? Ich finde ja, auf jeden Fall. Die Stimme klingt viel besser, Rauschen ist kaum zu hören, Nachbearbeitung viel weniger notwendig und man kann so einfach Sprachaufnahmen auf einem ganz anderen Niveau machen. Wer das Geld übrig hat, sollte also diesen Weg gehen und etwas mehr ausgeben.

Programme um ein Hörbuch aufzunehmen

Hier gibt es wieder die verschiedensten Möglichkeiten. Wenn du dich für das Focusrite entschieden hast, erhältst du eine Auswahl an professionellen Audio-Programmen kostenlos. Ich habe mich der Einfachheit halber für Audacity entschieden, welches kostenlos ist und auch offiziell von Audible und anderen Hörbuchanbietern empfohlen wird. Audacity ist Open Source Software und gibt es für Mac, Windows und Linux.

Die Bedienung ist recht einfach. Record Button drücken und los geht es. Audacity hat außerdem den Vorteil, dass es durch verschiedene Plugins erweitert werden kann. Insbesondere für Hörbücher gibt es dazu das tolle Plugin ACX-Check, welches automatisch überprüft, ob deine Sprachaufnahme die Qualitätsansprüche erfüllt. Die Plugins findest du hier.

Ansonsten ist die Bearbeitung mit Audacity recht einfach, wenn du ein paar mal geübt hast. Alles funktioniert bequem per Drag and Drop. Nachfolgend skizziere ich grob meine Schritte, welche ich mit Audacity mache. Vielleicht folgt dazu demnächst nochmal ein kurzes Video.

Hörbuch aufnehmen mit Audacity

Zusammenfassend hier nochmal die Schritte die ich mit Audacity mache, um eine perfekte Sprachqualität zu erreichen. Ziel ist es die Quality Submission Guidelines von ACX einzuhalten, was mir bisher auch immer gelungen ist.

Ich habe dabei jeweils jedes Kapitel in einer eigenen Datei eingesprochen und diese dann separat gespeichert. Wichtig ist das du in Mono Qualität aufnimmst und mit 44KHz Qualität.

  1. Aufnahme starten
  2. Room Tone aufnehmen: ca. 60 Sekunden Stille am Anfang und am Ende jeder Datei für die Nachbearbeitung und Filterung
  3. Immer wenn ich mich verspreche, mache ich ein hohen Ton. Dazu habe ich mit einem Schraubenzieher gegen ein Wasserglas geklopft (Stand beides gerade hier rum). Diese Ausschläge sehe ich nachher in der Aufnahme und kann so leicht Versprecher herausschneiden. Ansonsten spreche ich durchgehend und lese mein Buch vom Tablet ab, damit ich keine Umblätter Geräusche habe.
  4. Am Ende der Aufnahme wieder ca. 60 Sekunden  Stille aufnehmen
  5. Aufnahme stoppen.

Hörbuch nachbearbeiten mit Audacity

Zum Nachbearbeiten (Mastering) des Hörbuches mit Audacity habe ich die folgenden Schritte gemacht:

  1. Am Anfang die Stille Markiert, dann auf Plugins -> Noise Reduction, Get Noise Profile. Damit erkennt Audacity eventuelle Nebengeräusche. Dann den ganzen Track markieren und die Noise Reduction durchführen mit OK.
  2. Equalization Plugin mit Select Low Curve for Rolloff/Speech und ca. 5000Hz.
  3. RMS Normalize Plugin -> das Sort dafür das alles laut und gleichmäßig ist entsprechend den ACX Qualitätsstandards
  4. Limiter Plugin -> hier habe ich Lautstärkespitzen reduziert.
  5. ACX-Check Plugin, um zu überprüfen das alles OK ist.

Wenn ich mit den Filtern und Plugins durch war, habe ich von Hand die ganze Aufnahme noch mindestens einmal durchgehört und zu Laute Atemgeräusche und zu lange Pausen herausgeschnitten. Am ende sollte jedes Kapitel am Anfang ca. 1 Sekunde Pause haben und am Ende ca. 5 Sekunden. Zwischen den Kapitel habe ich dann jeweils 2 Sekunden Pause gehabt.

Hörbuch als MP3 exportieren mit Audacity

  1. Hier ist es wichtig mit Konstanter Bitrate zu exportieren, ich habe immer 320kbit genommen.
  2. MP3 Tags setzen: hier habe ich meine Tags für jedes Buch als XML gespeichert und muss diese dann nur noch laden.
  3. Exportieren drücken als MP3, unter Windows müsst hier hier den Lame Codec installieren, damit das funktioniert

Tipps für eine gute Stimmqualität

  • Im Stehen einsprechen, für ein besseres Stimmvolumen
  • Raumhall vermeiden. Raum mit Decken abhängen oder in eine möglichst kleine Kammer gehen, notfalls auch im Kleiderschrank.
  • Atemgeräusche vermeiden, indem man leicht am Mikrofon vorbei atment/spricht und auf die richtige Entfernung achtet
  • Laut und deutlich sprechen.
  • Tablet zum ablesen nehmen, um Blättergeräusche zu vermeiden
  • Vorher viel trinken und Lippenbalsam nehmen, um Lippengeräusche zu vermeiden
  • Zwischendurch auch viel trinken, aber nichts mit Kohlensäure
  • Sprach und Stimmübungen zur Aufwärmung machen und regelmäßige Pausen
  • achte auf einer gleichmäßige Einsprechposition und einen gleichen Abstand. Ich habe dazu vor jedem Abschnitt immer die Entfernung zum Mikrofon abgemessen. Mit Popschutz und dem obigen Setup waren es ca 3cm.

Die Veröffentlichung

Das schlimmste ist geschafft. Jetzt müssen die MP3 Dateien nur noch bei deinem Anbieter hochgeladen werden 🙂 Je nach Anbieter dauert es dann nochmal 1-2 Wochen, bis dein Werk dann in den großen Shops von Audible, Itunes und Co. verfügbar ist.

Viel Erfolg und vielleicht höre ich dich ja auch bald ;).